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Der Luchsfuß Norwegens

Die Lofoten, ein Sehnsuchtsort für Menschen die überwältigende Landschaften, raue Natur und vielleicht auch das Wagnis suchen. 

Die Lofoten liegen sehr hoch im Norden, fast 300 Kilometer nördlich des Polarkreises. Eine Inselgruppe der Extreme, zwischen den insgesamt 80 Inseln geht die Sonne nicht mehr unter, wer im Sommer zu Besuch ist staunt nicht nur über das spektakulärste Licht mitten in der Nacht, sondern auch über die riesigen Felswände und Klippen die sich hunderte von Metern häufig direkt vom Wasser in den Himmel strecken, Strände voller großer Felsen neben einem Sandstrand der einem Reisemagazin der Karibik zugesprochen würde.

Hier in der ursprünglichsten Form unterwegs zu sein, zu Fuß, prägt die Seele und wer Glück hat erlebt Momente die er sein ganzes Leben nicht mehr vergessen wird.

Die Reise beginnt regnerisch, anstrengend und auch nicht ganz ungefährlich. Das Wetter schwingt um, die Sicht schwindet, was ein Glück dass wir eine Hütte finden und nicht bei starkem Wind, Regen und 2 Grad auf felsigem Untergrund zelten müssen.

Die Wände wackeln und vor dem Fenster sieht man nicht einmal den Boden, so dicht hüllen uns die Wolken ein. Als das Wetter am nächsten Tag besser wird können wir gegen Mittag aufbrechen, der Abstieg ist lang und führt durch steiles und sumpfiges Gebiet. Völlig erschöpft schlagen wir am Abend das Zelt auf.
Die Tage vergehen und wir erkunden Stück für Stück die Landschaft der Lofoten.

Unstad ist ein kleines Dorf und liegt auf der dem Atlantik zugewandten Seite, hier ist das Wetter meist rau, doch diesmal war uns das Wetter freundlich gesinnt.

Eine Schutzhütte mit Sitzbänken dient als Erholungsort.

Die Sicht gen Westen ist atemberaubend.
Bei einem Abendspaziergang ändert sich die Atmosphäre und das Licht, die Mitternachtssonne naht zum letzten mal in diesem Jahr, denn wir sind spät dran.

Hier grüßt uns im Abendlicht das erste mal ein Adler, er zieht zwei Kreise über uns und verschwindet hinter den Bergen.

Die Schafe laufen frei herum, manchmal scheinen sie auch nicht so genau zu wissen wo es lang geht.

Mit dem Abend färben sich die Wattewolken Rosa und ein unbeschreiblich schönes Licht verwandelt die Berggipfel in ein Farbenspiel dass Fotos kaum erfassen kann.

Die Tage vergehen und wir sammeln Erfahrungen wie Muscheln am Strand, manche Tage sind bewölkt und kühl und erneut ist die Stimmung eine andere, auf Ihre Art besonders.

Die Wolken sind geprägt von satten Farben und einem kontrastreichen Spiel aus licht und Schatten.

Und auch die Einheimischen genießen das „Friluftslivet“.

In Fredfang gelingt es noch einmal trotz einer windigen Nacht, die Strahlen der Mitternachtssonne zu erhaschen.

Und wer nicht aufpasst hat auch mal ein paar Fussel auf der Linse…

Ein Tag später erreichen wir Kvalvika, uns umgeben Monumente längst vergangener Zeit, graue Riesen die den Menschen verdeutlichen wie klein und unwichtig sie sind, vielleicht ist dass auch ein Grund warum Skandinavier so zurückhaltend sind, der Respekt und die Ehrfurcht vor der Natur ist hier fast selbstverständlich.

Auf den Lofoten treffen sich Landschaften die sonst sehr weit getrennt existieren.
Süßwasserflüsse und Bäche münden direkt am Strand ins Meer, der Strand selbst erinnert an Granada, die Wasserfarbe ist so Blau-Türkis und klar wie es die Zeitschriftenauslage des Reisebüros für Reisen der Karibik verspricht, es gibt jedoch einen Unterschied: das Wasser ist extrem kalt.
Das Baden wird zur Mutprobe, jeder der es wagt lässt sich dabei filmen und den heldenhaften Akt mit seinen Freunden zu teilen, sehr Heldenhaft benehmen sich hier jedoch nicht mal die härtesten Kerle, unter lautem Gekreische rennt man ins Wasser und im selben Atemzug auch wieder heraus um dann bibbernd im Handtuch zu versinken.

Und wieder dieses schöne Licht…

Es folgt eine längere Wanderung nach Horseidvika mit Zwischenstop auf einem Bergplateau samt See und verwunschenen Wäldchen die mit Farnen und Felsen gespickt sind.
Diese Strecke ist so wunderbar und doch so kraxelig dass wir die Kamera stecken lassen.

Erst zwei Tage später, als wir uns am dritt letzten Tag eine Nacht in einer Hütte gönnen haben wir erneut die Muße zur Fotografie.

Abends kommen wir an, wir haben eine eigene Küche und bereiten uns ein Festmahl zu. Nach 14 Tagen mit dem Rucksack auf dem Rücken kommt uns die spärlich eingerichtete Hütte gerade zu luxuriös vor. Eines jedoch ist garantierter Luxus, die Aussicht. Direkt an der Uferfront ohne eine weitere Hütte vor der Nase befindet sich unser kleine, teure Hütte in absolut perfekter Lage. Sogar das Festland kann man von hier aus sehen.

Als würde die Natur hier die Kreativität eines jeden Fotografen geradezu provozieren verändern sich Licht und Stimmung im Viertelstunden – Takt.
Die Schattierungen des Wassers erlauben abstrakte Fotografie die jeder Tiefe in der Fläche beraubt ist und doch sehr lebendig wirkt.

Ein paar Boote und Segler so wie auch dieser Windsurfer kreuzen ab und an vorbei.

Der Ort „A“ den wir am nächsten Morgen erkunden wirkt auf uns wie ein großer Freizeitpark, sehr touristisch und trotzdem ist es schön auf eine Art.

Am späten Nachmittag wandern wir nach Moskenes an den Fähranleger, geplant war die Abreise erst für den nächsten Tag, da aber noch eine Fähre am späten Abend geht und wir am Festland wissen wo wir schlafen können, entscheiden wir uns den Sonnenuntergang von der Fähre aus zu beobachten und steigen ein.

Und so verschwinden die Gipfel der Lofoten langsam im Dunst der Abendsonne.

Doch kaum ist es 2 oder 3 Uhr klar der Horizont schon wieder auf so dass die Silhouetten der Gipfel erkennbar sind.

Mir bleibt nicht viel zu sagen außer dass die Lofoten ein Landschaftliches Erlebnis sind welches in einmaligem Spiel mit Licht und Stimmung eine Zufriedenheit hervorrufen kann die unglaublich erholend ist.

 

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Super Beitrag, Ich habe auch diesen Sommer 2 Wochen nur mit dem Rucksack auf den Lofoten verbracht und kann deinem Artikel nur zustimmen.
    Die Landschaft ist wirklich überwältigend und einzigartig.
    Ich bin gespannt auf neue Beiträge auch zu anderen Themen in deinem Blog.

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