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Eine große Zeitung

Durch einige weitere Zeitungsartikel und auch nicht selten diese Webseite kommen Zeitungen auf mich zu. Da von Anfang des Projekts an für mich feststand ein gewisses Statement hiermit zu hinterlassen und auch Fragen nach Wohnraum und Bauökologie (Autarkie etc.) aufzuwerfen, zögere ich nicht lange und gebe gern Interviews. So auch in diesem Fall obwohl die Überraschung natürlich groß war als die Bildzeitung (BamS) und damit die größte Sonntagszeitung in Deutschland anfragte.

Das Interview hat mir gut gefallen, auch wenn selbstverständlicherweise nur ein Teil dessen in der Zeitung erscheint was tatsächlich gesagt wurde. Aus diesem Grund könnt ihr direkt hier das volle Interview lesen.

Den Artikel könnt ihr hier : bild.de/tinyhouse-wanderlust ansehen.

Photo by Lars Berg

Das Interview

 

Die Bild: Warum hast Du ein Tiny House bauen wollen? Wie kam es dazu? 

Eigentlich ist es durch Zufall dazu gekommen. Ich bin Waldorfschüler und an meiner Schule muss jeder Schüler in der 12. Klasse eine sogenannte Jahresarbeit leisten. Das Thema kann recht frei gewählt werden, es geht darum, dass sich der Schüler ein Jahr lang mit einem Projekt oder Thema beschäftigt und auch neue Fragen an den Hintergrund und den Inhalt stellt. Als wir im Prozess der Themenauswahl waren hatte ich erst einen sehr theoretischen Ansatz, da es mir aber in meinem damaligen Schülerleben schon genug Theorie gab, wollte ich doch irgendein praktisches Projekt angehen. Meine Freundin und ich kannten die Tinyhouses von Bildern aus dem Internet und eines Abends, als es wieder darum ging was für ein Thema ich wählen sollte, schlug sie eher als Witz gemeint vor, dass ich doch ein Tinyhouse bauen könnte. Den Witz habe ich nicht verstanden… Ich war nach kurzer Recherche von der Vielseitigkeit der Tinyhouses begeistert, da man mit einem Tinyhouse nicht nur ein ökologisches und soziales Statement setzt, sondern gleichzeitig einen Wert schafft und sich in so viele Arbeitsbereiche einarbeiten muss und dadurch offensichtlich viel lernen kann. Am Anfang sah ich mich mit dem Misstrauen Anderer konfrontiert. Eine häufig auftretende Meinung in der Gesellschaft ist, dass es nicht möglich sein kann ein Haus ganz alleine und ohne Handwerkliche Ausbildung zu bauen, schon gar nicht als 17. Jähriger, was ich auch niemandem verübeln kann der so denkt.
Die Wahrheit aber ist, dass es möglich ist, sofern man gewillt ist wirklich einzutauchen und sich eben mit den entsprechenden Schritten auseinander zu setzen und das dann auch ausführlich zu tun.
Trotzdem habe ich von vielen Seiten positives Feedback bekommen und spätestens als dann der Anhänger und damit das Fundament auf dem Bauplatz stand war klar, dass es kein Zurück mehr gibt.

Die Bild: Welche Schwierigkeiten hattest Du? Was hat es gekostet und wie lange hat es gedauert?

Die größte Schwierigkeit bestand darin, den normalen Alltag umzukrempeln um dieses Projekt neben der Schule überhaupt realisieren zu können. Eigentlich habe ich fast jede freie Minute damit verbracht am Tinyhouse zu bauen. Sehr wichtig war der Lernprozess, das gesamte Projekt planungstechnisch zu überschauen und trotzdem Schritt für Schritt zu arbeiten und sich nicht zu übernehmen. Bei einem normalen Hausbau gibt es den Handwerker, der ausführt was der Architekt geplant hat und worüber dieser den Überblick behält. Wenn man aber alles alleine macht, kann diese Aufgabenkombination von Architekt, Bauherr und Handwerker schon mal anstrengend werden, denn obwohl das Haus kleiner ist als ein normales Haus, bleibt der Aufwand für einen allein verhältnismäßig groß. Als Beispiel sei genannt, dass es für ein Fensterlieferanten keinen Unterschied macht ob er 5 oder 25 Fenster liefert, dies verdeutlicht dass der organisatorische Aufwand für mich ähnlich groß war wie wenn ich ein großes Haus gebaut hätte.
Letztendlich arbeite ich jetzt ziemlich genau ein Jahr daran und stehe kurz vor der Vollendung. Es muss noch das ein oder andere Detail erledigt werden, aber im gesamten kann man das Haus als fast fertig bezeichnen.
Das Haus im Rohbau inklusive Anhänger hat +/- 11.000 Euro an Material gekostet. Dieser Preis setzt aber voraus, dass ich nahezu 100% der Arbeitsstunden selbst verrichtet habe und nur Unterstützung bei langwierigen Arbeiten wie dem Fassadenbretter streichen bekommen habe. Mit der Inneneinrichtung läge dieses Haus bei ca. 15.000 Euro.

Die Bild: Wohnst Du schon drin? Wenn nicht, wann ziehst Du ein? Wenn ja, wie lebt es sich darin? (auch im Vergleich zu, wie Du vorher gewohnt hast) 

Ich wohne noch nicht darin, wobei der Umzug Ende dieser Woche angedacht ist. Übernachtet habe ich darin natürlich schon einige Tage. Schon jetzt kann ich sagen, dass es ein sehr einzigartiges Gefühl ist in einem Tinyhouse aufzuwachen. Das Ganze hat einen besonderen Charakter, es erinnert mich mit einem Baumhausähnlichen Gefühl an Erlebnisse aus meiner frühen Kindheit. Die Verbundenheit zur Außenwelt und der Natur scheint intensiver zu sein, was aber nicht bedeuten soll, dass man sich nicht unglaublich kuschelig und wohl darin fühlt auch wenn es draußen stürmt. Des Weiteren gibt es meiner Meinung nach wenige Dinge die befriedigender sind als vor einem Haus zu stehen, dass einem sehr gefällt und jeden Holzbalken beim Namen zu kennen. Dadurch dass das Haus von Anfang bis Ende aus der eigenen Hand entsteht, ist man viel Verbundener mit dem ganzen Prozess der hinter diesem Hausbau steht.

Vor der Tinyhouse Zeit habe ich nun ca. 4 Jahre in einer 45 m2 Wohnung gelebt, das lässt sich auch gut aushalten, aber der Raum der einen Umgibt wird sich bei den meisten zweifelsohne mit Dingen füllen, auch in diesem Sinn hat das Tinyhouse einen befreienden Charakter für mich.

Photo by Katharina Tomaschek

 

Anmerkung zum Beitragsbild: Der Fotograf Lars Berg war bei mir und hat sehr Professionell gearbeitet. Seine Webseite:  http://www.larsberg.eu/ 

Die Rechte am Bild besitzt der Axel Springer Verlag.

 

 

9 Kommentare

  1. Ich finde das sehr beeindruckend, alleine und ohne Vorkenntnisse ein kleines Haus zu bauen. Ich würde es gerne mal besichtigen. Im Sommer war ich mal in Pommoissel, aber da wusste ich nichts davon, was ich dort Tolles hätte sehen können. Wenn du im nächsten Sommer noch in der Gegend wohnst, kannst du es mir vielleicht mal zeigen.

  2. Theresia Hartlaub sagt

    Hallo Herr Tomaschek, Ich bin zu tiefst beeindruckt. KOMPLIMENT!
    Gefällt mir. Eine gute ökologische Antwort auf Wohnungsmangel u.a.
    Ich möcht auch so eins, aber gemacht bekommen, mitarbeit erwünscht. Nehmen Sie auch Aufträge an?
    Würde mich freuen von Ihnen zu hören ….wenn’s mal passt.
    Eilt nicht.
    Herzliche Grüsse

    T.H.

  3. johanna sagt

    hallo leopold,
    bin gerade auf deinen block gestoßen..:) ich möchte mir gern im kommenden jahr ein tiny house bauen und finde es hilfreich und motivierend, was du schreibst. ich würde gern wissen, ob du für dein tiny house eine baugenehmigung hast? das kommt mir nämlcih gerade fast am kompliziertesten vor…
    lieben gruß ,
    johanna

    • Hallo Johanna,
      freut mich sehr dass dich mein Blog motiviert!
      Mein Tinyhouse parkt zurzeit auf einem Grundstück von uns und ich stehe in Kontakt zu einem Mitarbeiter des Bauamts. Du hast wohl recht, die gesetzliche Seite legt dem Tinyhouse Movement die größten Steine in den Weg, aber auch auf der Behörde arbeiten Menschen mit denen man reden kann. Eine Beratung lässt sich immer vereinbaren, wie genau das ganze dann für dich ausschaut kann ich nicht sagen, die örtlichen Bauämter entscheiden unterschiedlich, da immer unterschiedliche Aspekte (Bebauungsplan, Vorschriften etc.) in die Entscheidungen einfließen.
      Lass dich von der rechtlichen Seite nicht abschrecken, auch die lässt sich bewältigen! 🙂
      Liebe Grüße,
      Leopold

  4. Carsten Schulz sagt

    Lieber Leopold,
    ein großartiges Projekt :-)) und ganz sicher ein prägendes Erlebnis für Dich!
    Ich bin beeindruckt.
    Viele Grüße
    Carsten

    • Hallo Carsten,
      Danke 🙂
      Prägend? Aber so was von…
      Vielleicht sieht man sich ja mal wieder, spätestens nächstes Jahr nach dem Abitur werde ich mal schauen dass ich es in die Halle schaffe 🙂
      Gruß,
      Leopold

  5. Hey Leopold,
    ich bin gerade zufällig auf deinen Blog gestoßen und finde dein Projekt echt gelungen. Jetzt werde ich mal Stück für Stück deine Blogeinträge zur Entstehung deines Tiny House lesen =)

    Viele Grüße,
    Julian

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